… und Kandidatinnen.

Noch wenige Tage bis zur Kommunalwahl 2026 in Forstern. Wir befinden uns mitten in der heißen Phase des Wahlkamps.

Dieheiße Phasedes Wahlkampfs

Alle Fraktionen außer der SPD überschlagen sich auf ihren Websites und auf ihren Facebook-Seiten im Moment mit neuen Beiträgen. Die Kandidatinnen und Kandidaten stellen sich vor und es werden manchmal Ideen und Visionen für die Zukunft unseres Dorfes skizziert.

Im Briefkasten landen Flyer.

Und auf Info-Veranstaltungen kann jeder mit den Kandidatinnen und Kandidaten ins Gespräch kommen. Bei zwei Fraktionen gibt es zusätzlich noch zwei kurze Vorstellungsrunden vor dem Publikum.

Die Wahlscheine

Die Anforderung der Briefwahlunterlagen hat sehr gut funktioniert. Und die vier Wahlscheine sind eingetroffen.

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Wahlschein Bürgermeister

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Wahlschein Landrat

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Wahlschein Gemeinderat

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Wahlschein Kreistag

Die Wahl des Bürgermeisters in Forstern

Kommunalwahl 2026 in Forstern. Stimmzettel zur Wahl des Bürgermeisters in der Gemeinde Forstern.

Viel Auswahl gibt es da dieses Jahr nicht. Es hat sich lediglich ein Kandidat (AWG) bereit erklärt, diesen Job für die nächsten sechs Jahre zu übernehmen.

Ich kann das verstehen. Im Gemeinderat mitzuwirken, das ist die eine Sache. Aber als Bürgermeister den ganzen Tag mit Verwaltung und Repräsentation beschäftigt zu sein, das mag nicht jeder.

Somit steht der nächste Bürgermeister de-facto bereits fest. Daran ändert sich auch nichts, wenn man handschriftlich einen anderen Wunsch-Bürgermeister einträgt. Dennoch ist diese Option besser als den Wahlschein ungültig zu machen.

Die Wahl des Gemeiderats

Das ist für uns in Forstern der wichtigste Teil: Wahl der Mitglieder des Gemeinderats.

Einige Kandidatinnen und Kandidaten treten alle sechs Jahre erneut an. Manche mögen nicht mehr und ein paar neue Gesichter kommen auch hinzu. Und manchmal ändert sich auch nur die Position auf der Liste.

Kommunalwahl 2026 in Forstern. Stimmzettel zur Wahl des Gemeinderats in der Gemeinde Forstern.

Wie man sieht, gibt es vier Listen: SPD, Bündnis 90 / Die Grünen, CSU und AWG.

Linke und die Freien Wähler sind nicht mit eigenen Listen vertreten, müssen sich also auf eine der anderen vier Listen setzen lassen.

Über 40% der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger von Forstern, die 2020 eine gültige Stimme abgegeben haben,  sagen:

Was gibt es denn zu überlegen? Kreuz bei der AWG-Liste und Kreuz bei Rainer Streu. Ist doch ganz einfach!

Wie ich aber in meinem Artikel zur Kommunalwahl in Forstern dargestellt habe, ist Gewohnheit für mich kein Ent­scheidungs­kri­terium.

Ich bin da sehr egoistisch. Ich schau mir die geplanten Projekte in Forstern an und überlege: Was davon ist für mich nützlich und wer unterstützt das?

Und ich frage mich: Wem traue ich zu, nicht nur zu planen, sondern ein Vorhaben auch umzusetzen?

Bild eines Fahrradwegs

Die Ortsdurchfahrt stellt generell verkehrstechnisch ein großes Problem dar.

Zur Zeit gibt es keine Möglichkeit, den Ort von Norden nach Süden mit dem Fahrrad auf einem sicheren Radweg zu durchqueren. Nördlich außerhalb von Forstern gibt es einen Radweg. Südlich gibt es ebenfalls einen Radweg. Aber durch den Ort kommt man nur auf der Straße oder illegal auf Fußwegen.

Aber was interessiert das mich? Ich fahre ja gar nicht mit dem Fahrrad?

Das stimmt. Aber je mehr andere Leute mit dem Fahrrad fahren, desto weniger Autoverkehr haben wir auf der Hauptstraße. Und das ist gut für die Sicherheit, das reduziert Abgase und das reduziert Lärm.

Und das gefällt mir!

Nun hatte der Gemeinderat schon viele Jahre Zeit, sich dazu mal eine Lösung zu überlegen, sie durchzuplanen und dann auch umzusetzen.

Allerdings gab es lediglich von den Grünen bislang ein konkretes Konzept. Und auch nur die Grünen bringen das Thema immer wieder ins Gespräch.

Hier fällt meine Wahlentscheidung also deutlich zu Gunsten der Grünen aus.

Ein zweites Beispiel: Parkbänke an Wegen und Straßen

Mit KI generiertes Bild einer Parkbank auf einer Obstwiese
Die Bänke an der Hauptstraße sind für mich nicht wichtig. (Ich verstehe, warum sie für andere Mitbürger wichtig sind). Aber wenn ich mit meiner Partnerin zwischen Forstern und Tading den Feldweg  in Richtung Wetting lang spaziere, nehmen wir dort unter dem Baum sehr gerne auf der Bank Platz und schauen in der Abenddämmerung hinunter auf Forstern. Das sind immer schöne friedliche Momente.

Auch hier haben vor allem die Grünen um weitere Parkbänke in der Gemeinde gekämpft. (Wieder die Grünen … ich kann es nicht ändern, es ist halt so.)

Aber die Bank zwischen Forstern und Karlsdorf wurde letztendlich von der CSU umgesetzt.

In diesem Fall muss ich also der CSU Umsetzungs­kom­petenz zuschreiben.

Das waren jetzt zwei Projekte, die eher selten im Fokus unserer Dorfbewohner stehen.

Ich könnte jetzt durch alle geplanten und gewünschten Projekte in Forstern durchgehen, aber das führt an dieser Stelle zu weit. Verdeutlichen wollte ich, dass sich je nach Projekt unterschiedliche Gruppierungen unterschiedlich stark für eine Umsetzung einsetzen. Für mich entscheidend ist dabei nicht der Wille zur Planung, sondern die tatsächliche Umsetzung. Denn für viel Geld geplant wird in Forstern ständig.

Wer sind diese Leute?

Wer sind die Leute, die von mir in den Gemeinderat gewählt werden wollen?

Gute Frage. Man kennt sich heute nicht mehr so auf dem Land. Klar gibt es die Vereine, in denen man sich doch noch persönlich begegnet. Aber durch den Zuzug aus anderen Gegenden und Städten ist der Zusammenhalt auf dem Land nicht mehr so wie früher. Heute gibt es das Internet und heute arbeiten viele Menschen den ganzen Tag außerhalb des Ortes.

Aber genau deswegen gibt es von den politischen Organisationen alle sechs Jahre Info-Veranstaltungen, Flyer und Kandidaten-Vorstellungen auf Facebook und auf eigenen Homepages.

Das ist gut so und durchaus hilfreich.

Das Problem: niemand wird dir sagen, dass er Senioren doof findet oder Jugendliche aus dem Dorf haben will oder die Verkehrssicherheit verschlechtern will. Das will ja auch niemand.

Ist doch klar.

So hört man von allen Kandidatinnen und Kandidaten immer ähnlich klingende Worthülsen. So richtig konkret will sich niemand festlegen.

Auf die Frage „Was willst du 2026 für die Dorfmitte von Forstern konkret erreichen?“ wirst du von niemandem eine konkrete Antwort bekommen. Jeder weiß, dass da in absehbarer Zeit vermutlich sowieso nichts vorangehen wird. Also warum sollte man dann konkrete kleinere Schritte in Angriff nehmen?

Jeder hat Angst, dass er seine Wahlversprechen dann doch nicht einhalten kann.

Und dann triffst du auf jemanden, der folgende ganz konkrete und pragmatische Vorschläge macht:

Screenshot von Ideen zur Aufwertung des Dorfzentrums von Forstern
Screenshot von Ideen zur Aufwertung des Dorfzentrums von Forstern

Ist das nicht klasse?

Wer immer solche Vorschläge macht, bekommt meine Zustimmung und meine Stimme!

Es gibt allerdings ein strukturelles Problem: Der Gemeinderat besteht aus 16 Mitgliedern.

Selbst wenn ein einzelnes Mitglied einen guten Vorschlag einbringt (und vielleicht noch zwei weitere Unterstützer hat), bleiben immer noch 13 Mitentscheider. Entscheidend ist also nicht nur die Qualität einer Idee, sondern auch die Bereitschaft des gesamten Gremiums, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen.

Wird ein Vorschlag unvoreingenommen geprüft – oder reflexartig abgelehnt, weil er nicht aus den eigenen Reihen stammt?

Ist man bereit, sachlich über Kosten, Nutzen und Aufwand zu diskutieren?
Oder überwiegen Fraktionslogik und politische Zugehörigkeit?

Am Ende zeigt sich genau hier, wie offen ein Gemeinderat tatsächlich für neue Impulse ist.

Also gut, ich bin mit einigen Kandidatinnen und Kandidaten ins Gespräch gekommen. Bei einigen habe ich das Gefühl eines ehrlichen Dialogs gespürt, bei anderen kam ich mir vor wie in einem Verkaufsgespräch, in dem ich überzeugt werden sollte, meine Stimme zu verkaufen.

Aber da gibt es ja noch die Profile im Internet.

Was steht denn da so?

  • Name
  • Alter
  • Beziehungsstatus
  • Anzahl der Kinder
  • Mitgliedschaft in Vereinen

Mitgliedschaften sind immer so ein Thema …

Bedeutet die Mitgliedschaft in einer Partei, die Mitgliedschaft im Gemeinderat oder die Mitgliedschaft in einem Verein automatisch Engagement für die Weiterentwicklung des Dorfes?

Tue ich als Tennisspieler tatsächlich etwas für das Gemeinwohl?

Mitglied kann man überall sein. Aber es ist etwas anderes, ob ich nur zahlendes Mitglied bin oder mich aktiv einbringe.

Aber selbst wenn, warum sollte die Mitgliedschaft in einem dörflichen Verein ein Kriterium dafür sein, dass diese Person sich engagiert für die Weiterentwicklung der Gemeinde einsetzt?

Ich sag es, wie es ist: mir ist da egal, in welchen Vereinen ihr euch eingekauft habt. Das ist eure Privatsache.

Um nicht falsch verstanden zu werden: ich finde Vereine wichtig. Besonders wichtig finde ich Vereine, die tatsächlich etwas für die Gemeinschaft umsetzen, beispielsweise Blühwiesen anlegen.

Aber nur Mitglied zu sein, reicht nicht aus!

Das gilt selbstverständlich auch für politische Organisationen. Na klar, du bist Mitglied in der SPD. Ich soll dir meine Stimme geben. Aber was habe ich in den letzten sechs Jahren von dir gehört oder gelesen? Was genau hast du für die Gemeinschaft getan?

Und du bist auch schon Mitglied im Gemeinderat? Super! Hebst du dann nur die Hand, wenn es um die Entscheidung zu einem Beschluss geht? Bringst du eigene Ideen ein? Oder reicht es dir, das Sitzungsgeld (Aufwands­ent­schädigung) zu bekommen und willst ansonsten deine Ruhe haben?

Ich war auf einer Gemeinderatssitzung und werde auch in Zukunft öfter als stiller Zuhörer teilnehmen. Dann werde ich sehen, wer als Mitglied des Gemeinderats nur mitläuft oder sich aktiv einbringt. Und ich werde darüber berichten.

Ja, ich bin nicht neutral. Und ich kenne auch nicht alle Hintergründe. Aber ich wähle euch! Also holt mich ab und überzeugt mich!

Ihr nennt euren Beziehungsstatus und die Anzahl eurer Kinder. Warum?

Soll das seriös wirken?

Kann ein homosexuelles Mitglied ohne Kinder im Gemeinderat nicht trotzdem richtig gute Arbeit leisten?

Ich will das nicht überbewerten, denn irgendetwas müsst ihr ja in eure Profile schreiben.

Aber diese Angaben beeinflussen zumindest bei mir nicht, ob ihr meine Stimme bekommt.

Viel spannender finde ich, mehr über eure Leidenschaften zu erfahren. Wofür brennt ihr? Brennt ihr überhaupt für irgendetwas? Was treibt euch an? Was wollt ihr ganz konkret in diesem Jahr und in den nächsten sechs Jahren für unsere Gemeinde erreichen?

Laviert nicht herum! Nennt eure Ziele konkret und mit Zeitplan!

Auf der Homepage der AWG werden teilweise komplette Lebensläufe präsentiert. Wow, was du alles beruflich drauf hast. Oh, du bist in Forstern geboren? Herzlichen Glückwunsch! Unterschlagen wird jedoch die Parteizugehörigkeit zu den rechten Freien Wählern und das in einer Organisation, die sich selbst als „parteiunabhängig“ bezeichnet. Wie glaubwürdig ist denn das?

Du bist Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr in Forstern? Das finde ich großartig. Wir haben eine tolle Feuerwehr. Aber sag: inwiefern hilft das bei der Umsetzung der geplanten Vorhaben in Forstern?

Ziel eines Kandidaten zur Kommunalwahl 2026 in Forstern. Im Querformat besser lesbar.

So steht es in einem Profil eines Kandidaten für den Gemeinderat.

Ich kann da kein Ziel erkennen.

Es muss ja nicht gleich ein smartes Ziel sein, so wie man es aus dem Projektmanagement kennt.

Etwas konkreter wäre schon schön.

Auf der CSU-Homepage sind die Vorstellungen knapper. Aber die üblichen Angaben stehen dort auch. Auf einen Lebenslauf wird aber verzichtet. Gut so.

Und wie stellen sich die Kandidatinnen und Kandidaten auf der Grünen-Homepage vor?

Kein Beziehungsstatus, nur manchmal die Anzahl der Kinder, keine Vereinszugehörigkeit.

Man erfährt also fast nichts über die Leute?

Doch. Denn die nennen ihre konkreten Visionen. Hier geht es um Inhalte und nicht um Plattitüden.

Und die SPD? Die sind leider auf dem Stand von 2020 stehengeblieben. Die Homepage modert so vor sich hin.

Was ist mit den Flyern?

Mit den Flyern erreichen die politischen Organisationen mehr Wähler als im Internet. Sie sind also nach wie vor sehr wichtig!

Ich mag den Flyer der CSU mit seiner großformatigen Metapher, dass alle an einem Strang ziehen. Gefällt mir!

Bezüglich der einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten kann ich dem Flyer aber keine zusätzlichen Informationen entnehmen.

Mir gefällt auch der Flyer der Grünen sehr gut. Hier wird bei jedem Kandidaten wie im Internet angegeben, wofür er oder sie sich konkret einsetzt. Zusätzlich werden auch noch einmal die vier Kern­themen­bereiche beschrieben, die dieser Partei in Forstern wichtig erscheinen. Das ist konkreter Inhalt.

Und richtig klasse finde ich, dass es den Flyer auch als PDF-Dokument zum Herunterladen gibt. Das ist modern, das ist zeitgemäß!

02.03.2026 Update:

Auch die CSU bietet ihren Flyer auf ihrer Homepage an. Sehr gut!

Und was noch?

An dieser Stelle möchte ich der AWG ein großes Lob aussprechen für die Bemühungen, den Wahlprozess zu beschreiben.

Dazu gibt es für Erstwähler (aber nicht nur für diese) ein Video auf der Homepage, das sich ruhig jeder mal ansehen sollte.

Zusätzlich gibt es auch noch visualisierte Hinweise auf Facebook, so wie auf dem folgenden Screenshot:

Hinweise der AWG in Forstern zur Kommunalwahl 2026, visualisiert in Bildern für Facebook

Ebenfalls sehr hilfreich ist der Probestimmzettel, der von der Gemeindeverwaltung bereitgestellt wird. Ich empfehle, vor dem Ausfüllen des echten Wahlscheins hier zunächst zu überprüfen, ob der Wahlschein gültig ist.

Screenshot des Probestimmzettels der Gemeinde Forstern für die Kommunalwahl 2026

Fazit:

Ich habe gewählt!

Haben mir die Informationen der politischen Organisationen dabei helfen können?

Leider nur zum Teil.

Deswegen habe ich am Ende meine Stimmen auf mehrere Listen verteilt.

Ich wähle keine Leute in den Gemeinderat, die mir blass und wenig entscheidungskräftig erscheinen.

Ich will, dass in Forstern etwas vorangeht. Herausforderungen gibt es genug!

Entgegen der Aussage in den Flyern möchte ich die Lebensqualität in Forstern nicht erhalten, sondern verbessern. Eine konservative Einstellung steht dem im Wege, wie die letzten sechs Jahre eindrucksvoll gezeigt haben.

Besonders kritisch sehe ich, dass sich viele politische Akteurinnen und Akteure mit allgemeinen Floskeln zufrieden geben, anstatt konkrete Ziele mit realistischen Umsetzungs­vor­stellungen zu formulieren. 

Was mir besonders wichtig erscheint: Wählerinnen und Wähler verdienen mehr Transparenz und klare Aussagen. Wenn jemand für den Gemeinderat kandidiert, sollte nicht nur stehen, wo er oder sie Mitglied ist, sondern warum und wie sie konkrete Herausforderungen angehen wollen. Dabei darf es nicht nur um den Willen, sondern um die Umsetzungskraft gehen.

Für mich zählt nicht nur der Wille, Teil eines Gremiums zu sein – sondern die Bereitschaft, wirklich Verantwortung zu übernehmen, Projekte zu begleiten und die politischen Versprechen messbar zu machen. Und genau das ist bislang zu selten spürbar.

Noch zwei Wochen … dann fällt unser Dorf wieder für sechs Jahre in den Dornröschenschlaf.