Im März 2026 stehen in Bayern erneut Kommunalwahlen an – auch in unserer Gemeinde Forstern. Dort treten vier politische Gruppierungen an: die Alte Wählergemeinschaft (AWG), die Christlich-Soziale Union (CSU), Bündnis 90/Die Grünen und die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD).
Diese Wahl ist mehr als ein Pflichttermin im Kalender: Sie betrifft unmittelbar den Alltag unserer Nachbarn, Vereine und Familien. Vor diesem Hintergrund frage ich mich nicht nur, wen ich wählen würde, sondern auch, wie gut die Akteure ihre Aufgaben bisher wahrgenommen haben und was sie künftig konkret vorhaben.
Viele Wähler treffen ihre Entscheidung nach gewohnten Mustern – aus Tradition, Parteibindung oder Bekanntschaft mit einzelnen Kandidaten. Das ist legitim. Für mich zählt jedoch vor allem eines: Welche Bilanz kann eine Gruppierung vorweisen – und welche konkreten Ideen bringt sie für die nächsten sechs Jahre mit?
Ich selber halte mich für technikaffin und zukunftsorientiert. Deshalb mag ich es, wenn wir das Gute und Besondere in unserer Gemeinde wertschätzen, aber gleichzeitig überlegen, wie wir alles noch besser machen können. Mit einer konservierenden oder gar rückwärtsgewandten Einstellung kann ich nichts anfangen.
Mir ist völlig egal, welche Farbe einer Partei zugeordnet wird (rot, grün, grau, schwarz, weiß, lila, rosa). Mir ist auch egal, welche politische Richtung eine Partei vertritt (rechts, links, oben, unten).
Ich kann nur wenig mit Politikern anfangen, die große populistische Reden halten, dann aber nicht entsprechend handeln. Dazu gehören auch leere Versprechungen und bewusste Lügen, denn mir gefällt eine ehrliche Debatte viel besser. Ja, es ist nicht alles gut. Lasst uns doch konstruktiv gemeinsam überlegen, wie wir etwas verbessern können.
Und ich mag auch keine Politiker, die sich den ganzen Tag für teure Steuergelder in den sozialen Medien tummeln und sich selbst darstellen. Nein, das ist keine Politik, wie ich sie mir wünsche.
Letztendlich muss ich mich daher als links-liberal verorten, wenn es denn unbedingt eine Schublade sein soll.
Politik in der Gemeinde Forstern
Das oben Gesagte schließt automatisch viele Politiker und auch einige Parteien aus, ich kann sie einfach nicht wählen. Sie handeln nicht in meinem Interesse.
Aber wie sieht das in der Gemeinde Forstern aus?
Kommunalpolitik funktioniert anders als Bundes- oder Europapolitik. Sie entscheidet über Spielplätze, Straßensanierung, Betreuungsangebote und das Miteinander im Ort.
Bei der letzten Gemeinderatswahl 2020 ergab sich folgende Sitzverteilung:
- AWG: 6 Sitze
- CSU: 5 Sitze
- Bündnis 90 / Die Grünen: 3 Sitze
- SPD: 2 Sitze
Insgesamt: 16 Sitze
Traditionell wird ein Bürgermeister in bayerischen Gemeinden quasi auf Lebenszeit gewählt. Es sei denn, er legt sein Amt aus persönlichen Gründen selbst nieder. So ist es auch in Forstern.
Die AWG erhält seit gefühlt „immer“ die meisten Sitze im Gemeinderat. Auch der Bürgermeister stammt seit Ewigkeiten aus den Reihen der AWG.
So genau kann ich das aber nicht sagen. In der Wikipedia gibt es eine Liste der Bürgermeister, allerdings ohne deren Parteizugehörigkeit.
Der aktuelle Erste Bürgermeister, Rainer Streu, gewann 2020 die Wahl. Dafür brauchte es aber eine Stichwahl. Im ersten Wahlgang fehlten 15 Stimmen.
Von Rainer Streu, der mit 39 Jahren verhältnismäßig jung Bürgermeister wurde, erhofften sich viele Bürger „frisches Blut“ und damit verbunden Tatkraft.
Einsatz für die Gemeinde Forstern
Engagement für die Gemeinschaft in unserem Dorf muss nicht unbedingt politischer Natur sein. Das zeigen die zahlreichen Vereine und ehrenamtlichen Aktivitäten.
Aber hier soll es um die Frage gehen, welche Partei ich bei der nächsten Kommunalwahl in Forstern wähle.
Und dazu muss ich mir einen Überblick darüber verschaffen, welche Partei sich in welcher Form für unsere Gemeinde einsetzt.
Es geht also genau nicht um die Arbeit des Gemeinderats als Ganzes. Dieser glänzt in Forstern vor allem durch zahlreiche teure Planungen, ohne sie konkret umzusetzen. Sehr befremdlich finde ich, dass sich die Mitglieder des Gemeinderates (mit Ausnahmen) untereinander siezen, es sei denn, sie gehören zur selben Partei. Früher hatte ich mal gedacht, dass man sich auf dem Lande in so einem kleinen Dorf sowieso automatisch duzt. Aber diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Egal … das nur am Rande.
Woher bekomme ich also Informationen zu den Aktivitäten und Veranstaltungen der Parteien in den letzten sechs Jahren?
Eine wichtige Grundlage für Wahlentscheidungen sind Informationsangebote der Parteien. Leider zeigen alle vier Webauftritte – unabhängig von Parteizugehörigkeit – kaum aktuelle Inhalte oder Nutzwert.
Die Website der SPD und parteifreien Bürgerinnen und Bürger sieht sehr vernachlässigt aus. Es hat den Anschein, als wäre die Website Ende 2019 von einem Mitglied angelegt worden. Bis 2023 wurden Beiträge veröffentlicht, insbesondere auch die hoch willkommenen Zusammenfassungen der Gemeinderatssitzungen. Allem Anschein nach wurde die Website nur von einer einzigen Person am Leben gehalten und ist jetzt sich selbst überlassen. Zur Kommunalwahl 2026 findet man daher keine Informationen.
Auf der Website von Bündnis 90 / Die Grünen gibt es zwar alle paar Monate einen Beitrag, aber ansonsten wirkt die Internetpräsenz ebenfalls verwaist. Richtig aktiv war die Site nur im Jahr 2020.
Die Website des Ortsverbands der CSU wurde vor kurzem aufgegeben und in die allgemeine Präsenz der CSU eingegliedert. Das ergibt Sinn, denn so wird ein optisch einheitlicher Auftritt sichergestellt. Über aktuelle Veranstaltungen oder Erfolge wird nicht berichtet.
Und auch die Website der AWG wurde zur Kommunalwahl überarbeitet. Hier gibt es immerhin eine Liste mit Veranstaltungsterminen. Ansonsten überlässt man die Site sich selbst.
Alle vier Websites wirken nicht aktiv gepflegt. Teilweise wurden sie auf die anstehende Kommunalwahl vorbereitet. Die Kandidaten werden kurz vorgestellt, Ziele werden abstrakt und sehr allgemein formuliert. Es gibt keine Aussagen zu dem, was die Parteien für unsere Gemeinde und Gemeinschaft ganz konkret tun wollen.
Erfolge aus der Vergangenheit werden nicht mit einem Foto-/Videobericht gefeiert.
Somit bieten die Webpräsenzen wenig Hilfe bei der Entscheidung, welcher der vier Parteien ich meine Stimme geben soll.
Überhaupt ist davon auszugehen, dass die Seiten der Parteien vorwiegend von Sympathisanten oder Parteimitgliedern besucht werden. Diese werden vermutlich keine weitere Motivation für das Kreuzchen benötigen.
Noch kurz etwas zu den Kandidatenlisten:
SPD: 6 Männer, 5 Frauen
Die Grünen: 5 Männer, 8 Frauen
CSU: 16 Männer, 2 Frauen, 2 männliche Ersatzkandidaten
AWG: 12 Männer, 4 Frauen, 2 männliche und 1 weibliche Ersatzkandidaten
| Partei | Männer | Frauen | Ersatzkandidaten |
| SPD | 6 | 5 | |
| Die Grünen | 5 | 8 | |
| CSU | 16 | 2 | 2 Männer |
| AWG | 12 | 4 | 2 Männer, 1 Frau |
Grundsätzlich finde ich es hilfreich, wenn sich Frauen aktiv in die Gemeindepolitik einbringen. Zwangsquoten halte ich allerdings für unnötig.
Interessant ist vielleicht auch ein Blick auf die Altersstruktur der Kandidatenlisten.
Aber zurück zu den Informationsquellen der Parteien. Die Websites sind leider nicht sehr ergiebig.
Werfen wir einen Blick auf Facebook:
Die CSU nutzt Facebook recht regelmäßig als Kommunikations-Plattform.
- Spaß auf dem Eis – eine Eisfläche zum Schlittschuhlaufen
- Christbaum Sammelaktion
- Bürgerumfrage
- Historische Kartoffelernte
- Herbstfestbus nach Erding
- Steckerlfischgrillen
- Offener CSU Stammtisch
- Info-Abend zum Thema Kreisumlage
- Info-Abend „Landwirtschaft im Blick“
- Aufstellen einer Parkbank
- Info-Veranstaltung zum Thema Erbrecht
Von der AWG gibt es immer wieder ein paar Eindrücke von Veranstaltungen in der Gemeinde.
Selbst organisiert waren unter anderem:
- Familiennachmittag beim Gästehof Huber in Bocköd
- Aufstellungsveranstaltung der AWG für die Kommunalwahl 2026
- Kesselfleisch- und Knödelessen
- Unterschriftenliste für eine Versetzung des Ortsschilds
Auf der Facebook-Seite gibt es gehäuft Beiträge jeweils zur Kommunalwahl. Ansonsten ist es dort eher ruhig.
Die Grünen in Forstern scheinen Facebook nicht zu nutzen. Auf der Website der Grünen gibt es zwar noch einen Link zu einer Facebook-Seite. Dieser ist aber nicht mehr gültig.
Die SPD in Forstern nutzt Facebook ebenfalls nicht, um Informationen zu verteilen.
Keine der Parteien nutzt (bis auf wenige Ausnahmen) die Chance, über selbst organisierte Aktionen und Veranstaltungen in der allgemeinen Facebook-Gruppe von Forstern zu berichten und damit Aufmerksamkeit zu erzeugen. Aber genau dort erreicht man Wähler anderer Parteien und könnte sie mit Fotos und Videos für die eigene Arbeit begeistern.
Es hat den Anschein, als gäbe es nur wenig Aktionen und Veranstaltungen, die von den Parteien in Forstern organisiert werden. Fast alle Veranstaltungen werden von den hiesigen Vereinen auf die Beine gestellt.
Jedesmal zur Kommunalwahl häufen sich hingegen die Aktivitäten. Meistens geht es nur um die bevorstehende Kommunalwahl.
Viele kleine Quick-Wins wie das Anlegen von Blühwiesen oder Blumenkübeln bleiben ungenutzt.
Vor allem die CSU zeigt sich als aktiver Spieler in unserer Gemeinde.
Allzu oft wird dies aber den Vereinen überlassen.
Wahlentscheidung Kommunalwahl 2026
Haben mir die Überlegungen denn nun geholfen bei der Frage, welche Partei ich auf Kommunalebene in der Gemeinde Forstern wählen soll?
Wem traue ich am ehesten zu, in Forstern Dinge im Sinne der Gemeinschaft und zum Gemeinwohl voranzutreiben?
Am Ende muss jede Wählerin und jeder Wähler für sich entscheiden, wem er oder sie das Vertrauen schenkt. In einer Gemeinde wie Forstern, in der Entscheidungen den Alltag aller betreffen, sollte die Wahl nicht nur ein altes Ritual sein. Sie sollte Ausdruck von informiertem Engagement und konkreter Erwartung an diejenigen sein, die unsere Gemeinschaft gestalten.
Jede Stimme zählt – nicht für Farben, sondern für Verantwortung, Transparenz und echte Offenheit gegenüber den Leuten vor Ort.

