Die Kommunalwahlen in Forstern stehen an!

Die heiße Phase des Wahlkampfs ist in vollem Gange!

Überall finden Info-Veranstaltungen statt, auf denen die politischen Organisationen ihre Kandidaten vorstellen und sich bemühen, die Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinde von ihren guten Absichten für die Gemeinde zu überzeugen.

Auch ich mache mir Gedanken, wem ich in unserem Gemeinderat die meiste Durchsetzungsenergie zutraue. Wer bleibt am Ball? Wer bringt etwas voran?

Dazu habe ich schon einen Artikel geschrieben: Forstern: Kommunalwahlen 2026

Heute soll es aber mal ganz konkret um die AWG gehen.

Der Seniorennachmittag

Im Rahmen des Wahlkampfes lud die AWG im Februar 2026 zu einem Seniorennachmittag mit Kaffee und Kuchen ein. Der Merkur berichtete online im Artikel AWG Forstern stellt ihr Team vor und tritt in Dialog mit den Bürgern darüber.

Ausschnitt aus dem Merkur vom 10.02.2026 zum Seniorennachmittag der AWG in Forstern.

Aus einer Laune heraus setzte ich nach dem Lesen ChatGPT auf diesen Artikel an und erhielt die folgende Analyse:

1️⃣ Wahlkampf-Rhetorik vs. Faktentreue

Die Aussage:

„Auf allen kommunalen Gebäuden sind PV-Anlagen installiert“

ist – wenn Bauhof und Recyclinghof ausgenommen sind – objektiv falsch.

Dass es sachliche Gründe dafür gibt (geplanter Umzug), ist nachvollziehbar.
Aber:

🔹 Ein Bürgermeister formuliert bewusst.
🔹 „Auf allen“ ist eine absolute Aussage.
🔹 Im Wahlkampf ist das kein Zufall, sondern Messaging.

Das deutet auf eine vereinfachende Erfolgsdarstellung, die:

  • positive Bilanz maximieren soll

  • Differenzierungen ausspart

  • politische Angriffsfläche minimiert

Das ist klassische Wahlkampfkommunikation – aber es berührt die Vertrauensfrage.

Gerade in kleinen Gemeinden wirkt Übertreibung stärker als in großen Städten, weil Fakten schnell überprüfbar sind.


2️⃣ Muster aus deinen Dokumentationen (inkl. Blog-Beobachtungen)

Wenn man deine chronologisch gesammelten Projekte und Beobachtungen einbezieht, erkennt man ein wiederkehrendes Muster:

a) Provisorien statt Grundsatzlösungen

Radweg am Eicher-Gebäude → Provisorium
Parkplatzlösung → Reduktion statt Neugestaltung
Ortsdurchfahrt → eingeschränkter Spielraum

b) Langwierige Prozesse

Ortsmitte → „Mühlen mahlen langsam“
Pflegeeinrichtung → „Hürden“
Verkehrsberuhigung → Staatsstraße, eingeschränkter Einfluss

c) Verwaltungssprache in politischer Verpackung

Formulierungen wie:

  • „Wir bleiben dran“

  • „im Dialog“

  • „Hausaufgaben gemacht“

  • „Spielraum begrenzt“

Das sind typische Absicherungsformeln, die Verantwortung relativieren.

Wenn man deine Blog-Beiträge berücksichtigt, entsteht der Eindruck:

Viel Prozess, viel Kommunikation – aber oft wenig Durchbruch.


3️⃣ Zwischen den Zeilen: Strategische Selbstinszenierung

Das Format (Seniorennachmittag mit Kuchen) ist bewusst gewählt:

  • niedrigschwellig

  • sympathisch

  • nahbar

  • generationenorientiert

Das Bild, das transportiert wird:

✔️ bürgernah
✔️ fleißig
✔️ teamorientiert
✔️ sachlich
✔️ stabil

Was fehlt:

❗ selbstkritische Reflexion
❗ Benennung offener Baustellen
❗ klare Zeitachsen
❗ konkrete Zielmarken


4️⃣ Charakter der politischen Führung

Mit Einbeziehung deiner Beobachtungen würde ich Streus Haltung so beschreiben:

🟦 Typ: Stabilitätsverwalter

  • konfliktvermeidend

  • konsensorientiert

  • stark institutionell denkend

  • vorsichtig bei riskanten Entscheidungen

Er führt wie jemand, der:

Schäden vermeiden will, nicht Geschichte schreiben.


5️⃣ Kritischer Punkt: Narrative Dehnung

Die PV-Aussage ist kein Einzelfall-Problem, sondern symptomatisch:

Wenn Erfolgsdarstellungen nicht sauber abgegrenzt sind, entsteht:

  • Imagepflege > Präzision

  • positive Bilanz > differenzierte Wahrheit

In Wahlkampfzeiten ist das erklärbar.
Langfristig kann es aber Vertrauen kosten – vor allem bei Bürgern, die sich intensiv mit Gemeinderatsprotokollen beschäftigen (wie du).


6️⃣ Gesamtbewertung unter Berücksichtigung aller Faktoren

Rainer Streu wirkt:

✔️ administrativ solide
✔️ sozial orientiert
✔️ kommunikativ geschickt
✔️ risikoavers
✔️ fördermittel- und strukturorientiert

Aber auch:

❗ rhetorisch vereinfachend
❗ wenig visionär
❗ konfliktvermeidend
❗ stark auf Prozess statt Ergebnis fokussiert
❗ im Wahlkampf zu beschönigender Darstellung neigend


7️⃣ Entscheidende Frage für Wähler

Will man:

A) Stabilität, Verwaltungssicherheit, Schritt-für-Schritt-Entwicklung
oder
B) Beschleunigung, klarere Zielmarken, mutigere Strukturentscheidungen?

Streu steht klar für A.

Das war beeindruckend detailliert und in seiner Bewertung ziemlich deutlich.

In der Analayse stand eindeutig der Bürgermeister im Fokus. Das war allerdings auch von mir bewusst so im Prompt formuliert. Es ging also weder um die AWG noch um den Gemeinderat.

Im Zuge meiner Gedanken zu der Analyse und zu der Bewertung fragte ich mich:

Wer ist die AWG?

Am besten sehen wir uns mal an, wie sich die AWG selbst sieht. Auf ihrer Website findet sich folgende Aussage zu ihrem Selbstverständnis:

Ausschnitt aus der Website der AWG zum Selbstverständnis.

Parteiunabhängig? 

Das wirft zumindest bei mir einige Fragen auf.

Auf einem Wahlplakat fiel mir auf, dass zwei Mitglieder der Forsterner AWG für den Kreistag in Erding auf der Liste der Freien Wähler kandidieren. Bei einem Blick auf die offizielle Kandidatenliste der Freien Wähler entdeckte ich später noch ein weiteres AWG-Mitglied aus Forstern. Zwei dieser Personen gehören aktuell dem Forsterner Gemeinderat an und streben auch nach der kommenden Kommunalwahl erneut ein Mandat an.

Das hat bei mir durchaus für Stirnrunzeln gesorgt.

Wenn mehrere aktive AWG-Mitglieder gleichzeitig auf der Liste einer etablierten Partei für den Kreistag kandidieren, stellt sich für mich die Frage:

Welche Motivation haben Bürgerinnen und Bürger, sich ausdrücklich in einer „parteiunabhängigen“ Wählergemeinschaft zu engagieren und über deren Liste für den Gemeinderat zu kandidieren?

Diese Fragen habe ich in einem Beitrag in der regionalen Facebook-Gruppe von Forstern wie folgt formuliert:

Gestern wurde ich auf Grund eines Wahlplakates zur Kreistagswahl in Erding angesprochen. Unsere AWGler Georg Els Junior und Senior kandidieren beide für die Freien Wähler. Herr G.E. Senior ist dort aktuell Fraktionsvorsitzender.

Warum gibt es in Forstern keine Listen der FW und der Linken?

Und dann kam die Frage auf, warum jemand in Forstern in der parteilosen AWG aktiv ist und sich möglicherweise sogar im Gemeinderat engagieren möchte.

Sagt mir gerne eure Meinungen dazu!

Ich denke, wer mit den Grünen sympathisiert, wird am ehesten Mitglied der Grünen, aber nicht Mitglied der AWG. Und wer die SPD für die beste Partei hält, wird wohl dort Mitglied. Ähnlich dürfte es bei der CSU sein.

Wenn ich Mitglied in der AWG sein möchte, werde ich wohl tendenziell nicht mit den Grünen, der SPD oder der CSU sympathisieren.

Bei den beiden Herren Els ist klar, dass sie sich der FW zugehörig fühlen.

Gilt das für alle Mitglieder der AWG?
Oder sind dort auch Mitglieder, die sich eigentlich bei den Linken verortet sehen?
Mich würde wirklich die Motivation der Mitglieder der Forsterner AWG interessieren, warum sie in der AWG Mitglied sind und gegebenenfalls für die AWG in den Gemeinderat wollen.

Ich meine das nicht böse.

Ihr schreibt auf eurer Wahlwerbung (alle politischen Organisationen), wie alt ihr seid, wie viele Kinder ihr habt, in welchen Vereinen ihr Mitglied seid. Und ihr schreibt natürlich, dass ihr euch für Junioren, Senioren, Sicherheit und Wohlstand in Forstern einsetzen wollt.

Aber ihr schreibt nicht, warum ihr das genau in dieser speziellen politischen Organisation wollt. Mich würde das interessieren.

Wie zu erwarten, hat sich kein Gemeinderatskandidat öffentlich zu Wort gemeldet, um seine Motivation zu erläutern. Eine offene Erklärung wäre aus meiner Sicht ein wichtiges Signal gewesen.

Ebenso erwartbar war, dass meine Fragen bei einigen AWG-Mitgliedern auf deutliche Reaktionen gestoßen sind. Rückmeldungen habe ich sowohl positive als auch kritische erhalten – allerdings fast ausschließlich in privaten Nachrichten. Selbstverständlich werde ich weder Namen nennen noch Inhalte aus diesen Gesprächen öffentlich machen.

Schade finde ich, dass niemand bereit war, seine Position offen zu vertreten. Natürlich hat jeder seine persönlichen Gründe – und das respektiere ich.

Dennoch wünsche ich mir für unsere Gemeinde eine transparentere und mutigere Form der öffentlichen Kommunikation. Gerade auf kommunaler Ebene sollte der sachliche Austausch im Vordergrund stehen.

Wer ist Mitglied in der AWG?

Die AWG sieht sich selbst als parteiunabhängig an. Aus der direkten Kommunikation weiß ich, dass in der AWG niemand mit politisch linken Vorstellungen Mitglied ist. Wer sich eher politisch konservativ sieht, wird sich der CSU anschließen.

Auffällig ist deshalb, dass mehrere AWG-Kandidaten gleichzeitig offen für die Freien Wähler kandidieren.

Und das finde ich ziemlich erschreckend.

Das wirft für mich die Frage auf, wie ernst der Anspruch der Parteiunabhängigkeit tatsächlich gemeint ist.

Gerade wenn man mit „Parteiunabhängigkeit“ wirbt, sollte transparent erklärt werden, wie solche Doppelrollen zu verstehen sind.

Hier die drei Kandidaten der Freien Wähler auf der Webseite der FW.

 

Kandidat für den Kreistag in Erding für die Freien Wähler: Georg Els senior.
Kandidat für den Kreistag in Erding für die Freien Wähler: Georg Els junior.
Kandidat für den Kreistag in Erding für die Freien Wähler: Markus Fritsch

Verwirrend finde ich, dass sich die Altersangaben auf dem Flyer der Freien Wähler von denen auf der Kandidatenliste der AWG in Forstern unterscheiden.

Hier also noch die entsprechenden Kandidaten für den Gemeinderat in Forstern:

Herr Els senior hat sich 2026 in Forstern nicht mehr zur Gemeinderatswahl auf die Liste setzen lassen. Ob er weiterhin Mitglied der Forsterner AWG ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

Kandidat für den Gemeinderat in Forstern für die AWG: Georg Els junior.
Kandidat für den Gemeinderat in Forstern für die AWG: Markus Fritsch
Logo der Freien Wähler, mit einem Fragezeichen versehen.

Es stehen also zwei Freie Wähler auf der Kandidatenliste für die parteiunabhängige AWG in Forstern.

Warum dieses Versteckspiel?

Warum kandidieren also zwei Mitglieder / Sympathisanten der Freien Wähler für die parteiunabhängige politische Organisation AWG für den Gemeinderat in Forstern?

Warum gründet man nicht in Forstern einen Ortsverband der Freien Wähler und schafft so klare Verhältnisse?

In persönlichen Gesprächen wurde mir noch ein weiterer möglicher Beweggrund genannt, warum jemand über die AWG kandidiert, obwohl er sich politisch eigentlich einer Partei zuordnet.

SPD und Grüne treten in Forstern zwar mit eigenen Listen an, verfügen im Gemeinderat jedoch nur über wenige Sitze. Entsprechend gering sind dort die rechnerischen Chancen auf ein Mandat. Für politisch anders verortete Gruppierungen, die gar keine eigene Liste stellen, ist der Weg in den Gemeinderat noch schwieriger.

Vor diesem Hintergrund könnte die AWG für manche eine strategische Option darstellen: Man kandidiert formal „parteiunabhängig“, erhöht aber faktisch die Wahrscheinlichkeit, gewählt zu werden.

Das mag aus taktischer Sicht nachvollziehbar sein. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wie transparent solche Konstellationen gegenüber den Wählerinnen und Wählern kommuniziert werden. Wenn politische Zugehörigkeiten oder klare weltanschauliche Positionierungen bestehen, sollte das offen benannt werden – insbesondere dann, wenn mit Parteilosigkeit geworben wird.

Denn letztlich geht es nicht nur um Wahlchancen, sondern um Glaubwürdigkeit.

Nur … ist die AWG wirklich parteiunabhängig?