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Vorbemerkungen
Ich lebe in einer kleinen bayerischen Gemeinde mit knapp 3.800 Einwohnern. Dieses Jahr steht im März die Kommunalwahl an.
Dabei wird ein neuer Gemeinderat gewählt.
Neben diesem Blog betreibe ich eine Facebook-Gruppe für Forstern. Dort geht es nicht nur um Veranstaltungen oder Alltägliches, sondern immer wieder auch um kommunale Themen: um geplante Maßnahmen, laufende Projekte und die Wünsche der Bürgerinnen und Bürger.
Eine Übersicht über alle größeren Vorhaben in der Gemeinde habe ich auf der Internetseite Forstern-Projekte zusammengestellt. Grundlage dafür sind vor allem Entscheidungen des Gemeinderats. Informationen finde ich im monatlichen Mitteilungsblatt der Gemeinde, in den Sitzungsprotokollen, die von M.L. erstellt werden und in Online-Artikeln des Merkurs.
Was mir allerdings nicht vorliegt, sind die vollständigen Niederschriften der Gemeinderatssitzungen.
In Diskussionen über kommunale Themen wird zu Recht immer wieder darauf hingewiesen, dass nur wenige Bürgerinnen und Bürger als Zuhörer an den Gemeinderatssitzungen teilnehmen. Ebenso berechtigt ist der Hinweis, dass viele Diskussionen und Entscheidungen für die Öffentlichkeit kaum sichtbar sind. Und ebenfalls mit Recht wird erwähnt, dass die Gemeindeverwaltung sehr viele Aktivitäten quasi unsichtbar zwischen den Gemeinderatssitzungen durchführt.
Die naheliegende Frage lautet also: Warum ist das so?
Warum gelingt es der Gemeinde nicht, transparenter, proaktiver und vor allem zeitnah über gängige Push-Kanäle zu kommunizieren?
Die Standardantwort lautet: zu wenig Personal.
Am 20. Januar 2026 habe ich erstmals an einer Gemeinderatssitzung in Forstern teilgenommen. Mich interessierte weniger der formale Ablauf als vielmehr die Atmosphäre: die Stimmung im Raum, die Dynamik zwischen den Mitgliedern des Gemeinderats und die feinen Schwingungen, die sich in Diskussionen und Gesten zeigen.
Dieser Artikel gibt bewusst meine subjektiven Eindrücke wieder. Er ist zwangsläufig einseitig und erhebt keinen Anspruch auf Neutralität. Auf eine inhaltliche Bewertung oder Zusammenfassung der Sitzung verzichte ich an dieser Stelle. Dafür verweise ich gerne auf das Quellenverzeichnis mit den entsprechenden Infos zum Nachlesen.
Die folgenden Beobachtungen beziehen sich ausschließlich auf diese eine Gemeinderatssitzung. Es ist also gut möglich, dass sich andere Sitzungen ganz anders anfühlen würden.
Namen werde ich, wie üblich, nicht nennen, es sei denn in einem ausdrücklich positiven Zusammenhang. Auch dann verwende ich ohne vorherige Rücksprache lediglich Initialen. Es geht mir in keiner Weise darum, einzelne Personen öffentlich bloßzustellen oder an den Pranger zu stellen.
Was macht ein Gemeinderat?
Jeder kennt den Gemeinderat. Und jeder (hoffentlich!) wählt bei uns alle sechs Jahre die Mitglieder, von denen er glaubt, dass sie seine Interessen als Bürgerinnen und Bürger am besten vertreten.
Dennoch lohnt sich manchmal eine kurze Auffrischung. Deshalb habe ich hier ein kurzes Video eingebunden, das den Gemeinderat und seine Aufgaben noch einmal kompakt erklärt.
Wichtiger Hinweis:
Das folgende Video ist auf den Servern von YouTube gespeichert. Das sind amerikanische Server und deswegen laut DSGVO von vornherein böse.
Wenn ihr also nicht wollt, dass die Amerikaner mitbekommen, welche Videos ihr euch auf YouTube anschaut und dabei eventuell Daten von euch speichern, dann seht euch das Video bitte auf gar keinen Fall an!
Eindrücke von einer Gemeinderatssitzung
Die Gemeinderatssitzungen finden im Bürgersaal des Rathauses unserer Gemeinde statt. Auf einer externen Website wird regelmäßig auf die jeweiligen Termine hingewiesen.
Im Saal sind die Tische zu einem großen Rechteck angeordnet. Die Mitglieder des Gemeinderats sitzen entsprechend ihrer politischen Gruppierungen an den einzelnen Tischreihen.
An der vorderen Stirnseite nimmt der Sitzungsleiter Platz – der Bürgermeister. An der gegenüberliegenden Stirnseite stehen entlang der Wand einige Stühle für Besucherinnen und Besucher bereit.
Mir wurde berichtet, dass üblicherweise nur sehr wenige Zuhörer den Weg in den Sitzungssaal finden, oft sogar nur eine einzelne Person. An diesem Abend war das anders. Ohne nachgezählt zu haben, schätze ich die Zahl der Gäste auf etwa zehn bis fünfzehn.
Ich vermute, dass dies mit der bevorstehenden Kommunalwahl zusammenhängt. Abgesehen von meiner Partnerin und mir schienen die anwesenden Gäste auf den ersten Blick überwiegend Kandidatinnen und Kandidaten für die Kommunalwahl zu sein.
Zusätzlich befand sich, getrennt von allen anderen, an einer Seite des Raums ein separater Tisch für eine Dame der regionalen Presse.
Die Akustik – verstehe ich die Leute?
Die einzelnen Wortbeiträge wurden leider nicht über Mikrofone auf Lautsprecher übertragen. Da sich alle Rednerinnen und Redner während ihrer Beiträge nach vorne wandten, waren die Wortmeldungen im hinteren Bereich des Saales nur schwer zu verstehen.
Eine Ausnahme bildete der Bürgermeister, der direkt in den Raum hinein sprach. Ebenso gut verständlich war der soziale Ansprechpartner der Gemeinde, der dem Gemeinderat ein Jugendprojekt vorstellte und sich dabei ebenfalls an den gesamten Saal wandte.
Ich sehe hier noch Verbesserungspotenzial.
Meine Wahrnehmung
Erwartung und Realität
Ganz grundsätzlich hatte ich mir die Arbeit in unserem Gemeinderat anders vorgestellt. Ich war davon ausgegangen, dass hier gemeinsam gearbeitet wird: dass Argumente ausgetauscht, Vor- und Nachteile abgewogen und Entscheidungen sichtbar diskutiert werden.
Dieser Eindruck stellte sich in der Sitzung jedoch nicht ein. Möglicherweise lag das an den konkreten Tagesordnungspunkten, die aus Sicht der Beteiligten keiner weiteren Debatte bedurften. Für Außenstehende war das allerdings nicht erkennbar.
Eine Sitzung im Schnelldurchlauf
Der öffentliche Teil der Veranstaltung dauerte etwa 40 Minuten.
Die Sitzung wirkte streckenweise so, als würde der Sitzungsleiter die zu beschließenden Punkte vorlesen – und der Gemeinderat diesen anschließend geschlossen zustimmen. Die Tagesordnungspunkte wurden zügig abgearbeitet, teilweise geradezu heruntergerasselt, und waren für uns Zuhörer kaum verständlich oder nachvollziehbar.
Ich gehe davon aus, dass alle Mitglieder des Gemeinderats im Vorfeld umfassend über die Inhalte informiert werden und es sich beim Vorlesen um einen rein formalen Akt handelt. Ebenso setze ich voraus, dass die Entscheidungsgrundlagen mit ausreichendem Vorlauf zur Verfügung gestellt werden, um eine fundierte Vorbereitung zu ermöglichen.
Streng genommen sind das Annahmen. Andererseits handelt es sich dabei um grundlegende Voraussetzungen für eine sinnvolle und verantwortungsvolle Gemeinderatsarbeit.
Rückfragen – unerwünscht oder lästig?
Aus den Reihen des Gemeinderats kamen überwiegend bestätigende Wortmeldungen. Eine der wenigen Rückfragen blieb mir besonders in Erinnerung: Sie kam aus den Reihen der AWG zum Thema Kommunalwahl. Die Reaktion bestand aus einem süffisanten Grinsen und Kopfschütteln des Sitzungsleiters – ebenfalls Mitglied der AWG. Die Antwort begann mit „Das ist ja wohl selbstverständlich, Herr …“. Nein, selbstverständlich war das nicht. Sonst hätte es keine Rückfrage gegeben.
Weitere, aus meiner Sicht durchaus berechtigte Rückfragen kamen von Mitgliedern der GRÜNEN. Diese wurden vom Sitzungsleiter routiniert beantwortet – und zwar mit dem Hinweis, man werde sich „beizeiten“, sprich innerhalb von drei Monaten, damit befassen. Auch hier blieb offen, wie ernsthaft oder verbindlich diese Zusagen gemeint waren.
Nähe, Distanz und innere Spannungen
Besonders irritierend empfand ich, dass sich selbst Mitglieder derselben politischen Gruppierung nur teilweise duzten. Das mag formell korrekt sein, wirkte in einem Dorf mit knapp 3.800 Einwohnern jedoch befremdlich. Mein Eindruck war, dass selbst innerhalb einzelner Organisationen Spannungen bestehen – ähnlich denen zwischen den politischen Gruppierungen insgesamt.
Ich kann mich noch gut an eine Sommerparty bei Björn Engholm erinnern, zu der ich eingeladen war, wo sich selbstverständlich alle duzten.
Natürlich kann jede und jeder selbst entscheiden, wie viel Nähe oder Distanz angemessen ist. Für mich verstärkte diese Beobachtung jedoch das Gefühl, dass gegenseitiger Respekt und Vertrauen untereinander nicht selbstverständlich sind.
Dabei sollte in einer Gemeinde dieser Größe das gemeinsame Arbeiten für das Wohl der Gemeinde im Vordergrund stehen – nicht die Abgrenzung entlang parteipolitischer Linien, wie man sie aus der Bundespolitik kennt. Umso erstaunlicher ist es, dass selbst eine lokale Wählergemeinschaft wie die AWG offenbar nicht frei von solchen Mustern ist.
Beharrlichkeit und das Unsichtbare
Anerkennend habe ich zur Kenntnis genommen, dass Mitglieder der GRÜNEN auch nach Jahren konsequent an Themen wie Tempo 30 oder einem Badeweiher festhalten und diese immer wieder auf die Tagesordnung setzen. Diese Beharrlichkeit verdient Respekt.
Gleichzeitig verdichtete sich bei mir der Eindruck, dass die eigentliche Arbeit des Gemeinderats nicht im öffentlichen Teil der Sitzung stattfindet. Eine beiläufige Bemerkung des Sitzungsleiters ließ erkennen, dass im anschließenden nicht-öffentlichen Teil noch eine Vielzahl von Themen zu besprechen sei.
„Wir haben jetzt einige Sachen, die wir da nicht öffentlich besprechen müssen. Haben wir noch eine knackige Tagesordnung.“
Was genau dort verhandelt wird, bleibt den Bürgerinnen und Bürgern allerdings verborgen.
Digitale Zukunftstage für Jugendliche
Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass rund acht Minuten der Sitzung von einer durchaus interessanten Präsentation des sozialen Ansprechpartners der Gemeinde eingenommen wurden. Vorgestellt wurde das Projekt mit dem Titel „Digitale Zukunftstage“.
Darauf werde ich hier inhaltlich nicht eingehen.
Unter anderem wurde das folgende Video gezeigt:
Wichtiger Hinweis:
Das folgende Video ist auf den Servern von YouTube gespeichert. Das sind amerikanische Server und deswegen laut DSGVO von vornherein böse.
Wenn ihr also nicht wollt, dass die Amerikaner mitbekommen, welche Videos ihr euch auf YouTube anschaut und dabei eventuell Daten von euch speichern, dann seht euch das Video bitte auf gar keinen Fall an!


Servus, ich habe mir deine Schilderung der Gemeinderatssitzung durchgelesen. Wie du ja selbst schreibst, enthält sie einige Annahmen. Ich kann nachvollziehen, dass für Außenstehende der Eindruck entstehen kann, es handle sich um eine reine Pro-forma-Veranstaltung ohne wirkliche Diskussionen.
Bevor ich als Gemeinderat gewählt wurde, dachte ich ein Stück weit auch so, jetzt weiß ich es aber besser.
Die Gemeinderatssitzung ist wie eine standesamtliche Trauung, normalerweise geht man da hin und sagt einfach ja. Die Fragen, ob die Angetraute die Richtige ist, ob sie gut kochen kann oder ob der Ehegatte nicht zu oft ins Wirtshaus geht, all das wurde ausführlich vor dem „JA“ geklärt.
Und im Wesentlichen ist das auch so bei einer Gemeinderatssitzung. Bevor man hier in der öffentlichen Sitzung JA sagt, erhält man viele Tage vor der Sitzung durch einen Gemeindearbeiter die Ladung mit den Themen der anstehenden öffentlichen und nichtöffentlichen Sitzung, zusammen mit der Niederschrift der letzten Gemeinderatssitzung.
Anschließend liest man sich die Tagesordnungspunkte durch und macht sich Gedanken darüber, ob man der jeweiligen Beschlussvorlage der Verwaltung zustimmen kann oder Änderungswünsche hat. Ich persönlich lese mir auch immer die Niederschrift der vorherigen Sitzung genau durch, ob sich da irgendwo der Fehlerteufel eingeschlichen hat.
Vonseiten der Gemeindeverwaltung finden zudem regelmäßig Fraktionsführersitzungen statt, an denen die Fraktionssprecher aller Gruppierungen sowie der Bürgermeister teilnehmen. Dort werden verschiedene Themen bereits vorbesprochen.
Bei der AWG Forstern ist es dann so, dass in der Regel am Donnerstag vor einer Gemeinderatssitzung eine Fraktionssitzung stattfindet, die aus diesen Fraktionsführersitzungen heraus entsteht. Die Fraktionssitzungen haben wir auch öffentlich, und jeder darf daran als Zuhörer teilnehmen. In diesen Sitzungen wird diskutiert, ob man die Vorschläge der Gemeindeverwaltung unterstützt oder ob man eigene Punkte auf die Tagesordnung setzen möchte. Grundsätzlich gilt bei der AWG jedoch kein Fraktionszwang – jedes Mitglied entscheidet für sich selbst.
Wenn dann der Dienstag der Gemeinderatssitzung kommt, sind die Themen also bereits bekannt und in der Regel ausführlich besprochen.
Bezieht man sich auf die von dir angesprochene Gemeinderatssitzung vom 20.01., wurden dort folgende Punkte behandelt:
1. Genehmigung der Niederschrift der vorangegangenen Sitzung
Da uns diese Niederschrift mindestens eine Woche im Voraus vorlag und es keine Änderungswünsche gab, konnte ihr zugestimmt werden.
2. Projekt „Digitale Zukunftstage“
Dieses Thema wurde bereits in der Fraktionssitzung kurz angesprochen und war daher in der Gemeinderatssitzung nicht überraschend.
3. Zuschussantrag
Auch hier wurde in der Fraktionssitzung von allen Gemeinderatskollegen signalisiert, dass eine Unterstützung gerechtfertigt und sinnvoll ist. Dass dies kein Automatismus ist, zeigt sich daran, dass in der Vergangenheit Vereinsanträge aufgrund begrenzter Haushaltsmittel nicht immer in voller Höhe bewilligt werden konnten.
4. Aufstellungsbeschluss Einzelhandel
Dieser Punkt wurde bereits ausführlich und mehrfach in nichtöffentlichen Sitzungen diskutiert. Nachdem alle Gemeinderäte dort ihre Meinungen eingebracht hatten und diese im Prozess berücksichtigt wurden, bestand in der öffentlichen Sitzung kein weiterer Diskussions- oder Änderungsbedarf. Nebenbei bemerkt: Ich bin auch kein Freund davon, bei jedem Punkt eine Wortmeldung mit „ja das finde ich gut“ zu machen, damit werden die Sitzungen unnötig in die Länge gezogen.
5. Anfragen
Dabei handelt es sich häufig um reine Informationspunkte oder Themen, die eventuell in einer der nächsten Sitzungen auf die Tagesordnung kommen.
Wie du siehst, war die von dir besuchte Gemeinderatssitzung eher unspektakulär. Unter den Zuhörern waren im Übrigen auch einige Personen mehr, die mir persönlich bekannt sind und nicht auf einer Kandidatenliste stehen. Deine entsprechende Aussage trifft daher so nicht ganz zu. Ich gebe dir allerdings in dem Punkt Recht dass die Akustik für die Zuhörer schwierig ist und auch manche Präsentation mit dem Beamer -da bin ich froh so weit vorne zu sitzen.
In den nichtöffentlichen Sitzungen werden in der Regel die inhaltlich spannenderen Themen behandelt. Da uns Gemeinderäten hier oft erst die Details bekannt werden – in der Einladung stehen meist nur die Überschriften –, wird dort häufig intensiv, konträr und ausführlich diskutiert.
Da es dabei oft um Grundstücksangelegenheiten geht, etwa um die Ausweisung von Bauland, die Ausübung von Vorkaufsrechten oder um Themen, die in die Persönlichkeitsrechte von Grundstückseigentümern eingreifen (z. B. Hochwasserschutz, Geh- und Radwege), sowie um Personalangelegenheiten der Gemeindemitarbeitenden(z.B. persönliche Qualifikation, gehaltliche Einstufung), können diese Punkte nicht öffentlich behandelt werden.
Jede nichtöffentliche Entscheidung wird jedoch zu gegebener Zeit im Ergebnis öffentlich gemacht (z.B. Frau X wird neue Mitarbeiterin im Bereich Y). Der Aufstellungsbeschluss für den Einzelhandel ist dafür auch ein gutes Beispiel: Hier gingen zahlreiche nichtöffentliche Entscheidungen voraus, bevor der Beschluss öffentlich gefasst werden konnte.
Anhand dieser ausführlichen Schilderung wird deutlich, dass die Arbeit im Gemeinderat nicht nur aus Handheben und Abnicken besteht, sondern dass dafür deutlich mehr Zeit und Engagement aufgebracht wird.
Gruss
Wilhelm Ertl